Kein Müll mehr in Europa: Das Zero Waste Netzwerk

Zero, Null, Nada – gaaaaar nichts. Wäre der Name beim Zero Waste Europe Projekt Programm, wären die Städte Europas um einige Mülleimer leichter. Ein ambitioniertes Ziel und das ist auch gut so, denn jeden Tag produzieren wir allein in Deutschland 1,5 Kilogramm Müll pro Kopf. Da die Entsorgung nicht nur teuer ist, sondern durch Verbrennungsanlagen und Deponien auch zur Erderwärmung beiträgt, wurden in den letzten Jahren vielerorts Initiativen zur Müllbekämpfung in Städten hervorgebracht. So wie auch das “Zero Waste Europe” Netzwerk, das bereits Erfolge in vielen Städten Europas feiert.

Der Ursprung der Zero Waste Bewegung

“Zero Waste ist die Erhaltung aller Ressourcen durch verantwortungsbewusste Produktion, Verbrauch, Wiederverwendung und Verwertung von Produkten, Verpackungen und Materialien ohne Verbrennung und ohne Ableitung von Stoffen in Boden, Wasser oder Luft, die die Umwelt oder die menschliche Gesundheit gefährden.”
Zero Waste International Alliance

Die Zero Waste Bewegung sieht sich selbst als eine Art Philosophie, die der Vorstellung einer müllfreien Welt folgt. Eine Welt, wie sie vor sehr langer Zeit einmal war, denn unser Planet ist von Natur aus ein Spezialist in Sachen Abfallvermeidung. Vor dem Industriezeitalter gab es das Konzept des Abfalls nicht einmal. Alle Materialien, die weggeworfen wurden, dienten als Grundlage für Folgeprozesse. Heute würden wir sagen, sie blieben einfach immer im Kreislauf. 

Im Zuge neuer Entwicklungen und Erfindungen und auch veränderter Ansprüche an eine immer weiter wachsende Bevölkerung hat sich unsere Art und Weise zu produzieren und zu konsumieren drastisch verändert. So weit, dass wir sehr wertvolle Ressourcen angreifen, die nach nur kurzem Gebrauch in unseren Mülleimern landen. Hier knüpft “Zero Waste” an.

Der Ursprung der Zero Waste Europe Bewegung

Gemeinden, Organisationen, Experten und viele weitere Akteure haben sich 2014 zum europäischen Netzwerk “Zero Waste Europe” zusammengeschlossen. Das oberste Ziel: Die Beseitigung von Abfall und ein kreislauforientiertes Europa. Stellt man sich das einmal bildlich vor – allein die eigene Stadt ohne Müll – wirkt dieses Ziel fast unmöglich zu erreichen. Doch weniger als darum, von heute auf morgen alle Arten von Müll auszumerzen, geht es dem Projekt um die Unterstützung nachhaltiger Systeme und einer Neugestaltung unserer Ressourcennutzung. Um das zu erreichen, geht “Zero Waste” viele und vor allem vielseitige Wege. Das Netzwerk entwickelt Lösungen zur Abfallentsorgung, Null-Abfall-Strategien und Designs für wiederverwendbare Produkte und ist erster Ansprechpartner für Städte, die ihre Müllpolitik zum Guten wenden wollen.

Zero Waste

Zero Waste Cities

Eine dieser Zero Waste Cities ist seit kurzem zum Beispiel München. Anhand von drei Themenblöcken wird der Weg zu einer „Null Müll“ Stadt geebnet:

1. Zero Waste Lifestyle

Jeder kann dabei helfen, Abfall im Alltag zu reduzieren. Durch bewusstes Einkaufen und verantwortungsbewussten Konsum. Die Stadt trägt dafür Sorge, dass ihre Bürger für Maßnahmen, die sie selbstständig umsetzen können, sensibilisiert werden.

2. Zero Waste Wirtschaft

Neben der Reduktion von Abfall soll dieser auch aktiv vermieden werden. Damit das gelingt, müssen wirtschaftliche Produktionen und Prozesse analysiert und optimiert werden.

3. Zero Waste Städte

Nun wird es konkret: Um eine Zero Waste City zu werden, muss die Stadtverwaltung einen Plan vorlegen, der belegt, wie die Abfallvermeidung vorangetrieben wird.

Die Landeshauptstadt (und Heimat von Relevo) hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 eine signifikante Müllreduzierung zu erreichen. Im Detail heißt das: 56 Kilogramm weniger Müll pro Person pro Jahr, einer Reduzierung von Bauschutt und anderen großen Müllerzeugern sowie einer gründlicheren Mülltrennung und sorgfältiges Recycling. Und: Die Stadt zeigt sich überzeugt von Mehrwegsystemen. Gastronomien, die Einweg durch Mehrweg ersetzen oder ergänzend anbieten, werden von der Stadt mit bis zu 500 Euro gefördert. “Das ist zeitgemäß, nachhaltig und leistet einen wichtigen Beitrag zum kommunalen Klimaschutz”, sagt der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter. Damit hat er recht, denn Einweggeschirr ist ein großer Ressourcenverschwender und bringt die städtischen Mülleimer regelmäßig an die Grenzen ihres Fassungsvermögens.

Auch die Münchner Entscheider, wie Kommunalreferentin Kristina Frank, wissen, dass “Null Müll” realistisch betrachtet nicht möglich ist. Deshalb werden die rund 100 Maßnahmen, die zur Abfallvermeidung beitragen sollen, immer mit dem Zusatz “München gegen Ressourcenverschwendung” kommuniziert. Die Motivation bleibt aber weiterhin die Gleiche: Müll reduzieren, die Umwelt schützen und die Stadt schöner machen.

Wer ganz genau wissen will, welche Maßnahmen die Stadt München ergreift, liest sich am besten in den ausführlichen Beschluss ein.

Was macht deine Stadt?

München und die anderen Städte, die beim „Zero Waste Europe“ Projekt mitmachen, sind lange nicht die einzigen wirksamen Projekte für Müllreduzierung.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zum Beispiel sieht Mehrwegverpackungen als einen der effektivsten Wege an, um Müll zu vermeiden. So hat die DUH in über 300 Städten Anträge gestellt, die Städte dazu motivieren sollen, mülleinsparende Initiativen einzuführen. Die Stadt Tübingen hat in diesem Zuge angekündigt, to go Einwegverpackungen in Zukunft versteuern zu wollen. Andere Städte reagieren auf die Forderung der DUH leider noch immer sehr verhalten. Die gute Nachricht: Je mehr Menschen sich für Umwelt- und Ressourcenschutz in ihren Heimat- oder Wahlstädten starkmachen, desto größer wird der Zugzwang für die Politik.

Eine Übersicht aller Initiativen findest du sortiert nach Bundesländern auf der Seite der Deutschen Umwelthilfe. Hier kannst du dich auch ganz einfach bestehenden Projekten anschließen und deinen Beitrag in eine “Zero Waste” Zukunft leisten.